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„Leistungsschutzrecht wird nichts bewirken” – Drei Fragen an Kevin Lorenz

Am 4. September 2012 - 12:02 Uhr von Karolin Freiberger

Karolin Freiberger: Was halten Sie vom geplanten Leistungsschutzrecht für Presseverlage?

Kevin Lorenz: Gar nichts. Erstens wird es nicht gebraucht, da Verlage selber entscheiden können, ob ihr frei ins Netz gestellter Content in Suchmaschinen gelistet werden soll oder nicht.

Zweitens, weil es eine verquere Logik ist, jemanden zur Kasse zu bitten, der einem Kunden vermittelt. Nach dieser Logik müsste zum Beispiel die Preisvergleichsseite Kaufen.com dem Anbieter Otto.de etwas dafür bezahlen, dass dessen angebotene Korksandalen dort gelistet werden und Kunden anziehen. Schließlich hat Kaufen.com nichts zur Herstellung und „öffentlichen Zugänglichmachung“ der Korksandalen beigetragen.

Drittens, weil es eine so schamlose Bedienung von Partikularinteressen ist, die den Glauben vieler Bürger in die Demokratie weiter erschüttert und der Politikverdrossenheit weiter Vorhalt gebietet. Und viertens, weil das Leistungsschutzrecht nichts bewirken wird. Wir bei Meltwater würden im Falle des Inkrafttretens einfach Titel und Snippet von den Verlagen weglassen, die das wünschen. Jeder andere Suchmaschinenbetreiber wird mit Sicherheit dasselbe tun.

Worin sehen Sie das größte Problem eines solchen Rechts?

Das größte Problem ist, dass das öffentlich proklamierte und eindeutig fadenscheinige Ziel – nämlich Qualitätsjournalismus weiterhin finanzierbar zu machen – überhaupt nicht erreicht würde. Wie schon erklärt: Alle Suchmaschinen werden ausweichen und Suchergebnisse anders darstellen, um nichts an die Verleger zu zahlen. Damit würde noch weniger Geld in die Kassen der Verlage fließen, weil weniger Traffic auch weniger Werbeeinnahmen, weniger abgeschlossene Abos und weniger One-Click-Artikelkäufe bedeutet.

Was würden Sie den Presseverlagen raten?

Das lässt sich nicht in einem Satz sagen. Grundsätzlich jedoch: Es bringt nichts, den guten alten Zeiten hinterherzujammern. Denn die Medienbranche wird sich unweigerlich weiter konsolidieren, da die Erstellung, Kuration (also Auswahl) und Verteilung von Nachrichten durch das Internet nicht mehr in alleiniger Hand der Verlage, Radio- und Fernsehsender ist. Mein Rat an die Presseverlage wäre es, sich vorwärtsgewandt mit dem Internet auseinderzusetzen, um tragfähige Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Dafür gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten: Lokalnachrichten könnte man beispielsweise durch Citizen Journalism, also über Bürgerjournalismus-Modelle erstellen, um Kosten zu sparen. Außerdem gibt es inzwischen auch Unternehmen wie NewsCred aus New York, die sich auf die Weitervermarktung von News-Inhalten spezialisiert haben. Weiterhin sollten Verlage ihren Content in so vielen Kanälen ausspielen wie möglich. Dabei geht es einerseits um Markenbildung und andererseits darum, bei der Monetarisierung von Content immer neue Wege zu beschreiten. Das können Partnerschaften mit Facebook, Xing und LinkedIn sein oder Apps wie Flipboard oder Pulse.

Weiterhin sollten Verlage in Apps investieren, um den Tablet-Markt für sich zu sichern. Und dafür reicht keine einfache PDF-Variante der Printausgabe. Mit gutem Beispiel voran geht zum Beispiel National Geographic. Deren App ist sehr interaktiv und hat zusätzliche Features – wie ein Recherchetool für alle amerikanischen Nationalparks mit Wetterdaten usw. Dafür sind Leser durchaus bereit, Geld zu zahlen. Und zu guter Letzt können auch Medienbeobachtungsunternehmen wie Meltwater beim Vertrieb von News-Content helfen.

Es gibt viele Möglichkeiten. Sie erfordern jedoch Kreativität und Innovationsbereitschaft. Nur jene Verlage, die sich dazu entschließen, nach vorne zu gehen, werden dem Konsolidierungsdruck langfristig standhalten können. 

Kevin Lorenz ist Executive Director bei Meltwater Press, das zu den Unterstützern von IGEL gehört.

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