Am 6. Dezember 2010 - 0:57 Uhr von Redaktion

Online-Nachrichten bleiben kostenlos

Im Gespräch mit Klaus Pokatzky in der Sendung „Fazit” bei Deutschlandradio Kultur sagt Medienjournalist Stefan Niggemeier dem Bezahl-Internet für Nachrichten keinen Erfolg voraus. Er hält darum jedoch zugleich die Finanzierung von Verlagen im Internet für ein ungelöstes Problem. Ausgangspunkt des Interview ist die „Hamburger Erklärung” großer deutscher Verlagshäuser sowie die Entgegnung Googles, jeder Verlag könne sich selbstbestimmt aus der Indexierung durch die Suchmaschine ausklinken. Das löse jedoch das Problem nicht, denn die Verleger seien auf die Suchmaschinendienste angewiesen.

Niggemeier vertritt die Position, Google tue dabei nichts Unrechtmäßiges. Die Politik und die Verleger seien daher auch nicht berechtigt, etwas gegen Google zu unternehmen. Google sei einfach nur „sehr, sehr erfolgreich”. Die Suchmaschine ziehe aber einen Großteil der Werbung im Netz auf sich, der zur Refinanzierung der Verlagsangebote dann fehle. Diese Werbeeinnahmen zu ersetzen, sei ein nach wie vor ungelöstes Problem. Die Verlage sollten, so Niggemeier, vielmehr versuchen, sich im Netz unersetzlich zu machen und Leser mit einzigartigen Inhalten an sich zu binden, so dass diese ohne Umweg direkt zu ihnen kommen.

Paywall-Modelle wie die der Murdoch-Blätter in den USA würden nur für wenige funktionieren. Zudem seien freie Inhalte auch für die Gesellschaft von Vorteil. Es sei eine Heuchelei, gegen einen Dienst vorzugehen, den auch Journalisten täglich selbst für ihre Arbeit nutzen, stimmt Niggemeier der Frage Pokatzkys zu. Von Google Geld zu fordern, nur weil die Firma es eben habe, sei keine Lösung für das tatsächliche Problem, gute Information zu finanzieren. Ebenso heuchlerisch sei es von der Verlagen, sich über eine Enteignung durch Google zu beschweren und zugleich den freien Journalisten alle Rechte an ihren Artikeln abzunehmen.

Stattdessen sollten, so Niggemeier, Verlage mit fairen Vergütungen auf eine Qualität ihrer Inhalte setzen, die es sonst nirgends so gebe. Zwischen den Extremen eines absoluten Qualitätsjournalismus und eines absoluten Trash-Boulevards werde es in Zukunft schwer sein, zu überleben.

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