Am 21. November 2010 - 20:51 Uhr von Redaktion

Depression ist völlig unangebracht

Im Interview mit dem Handelsblatt spricht sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner gegen Untergangsstimmung in der Verlegerbranche aus, da die digitale Umwälzung große Chancen biete und schon jetzt erfolgreiche Geschäftsmodelle mit Bezahlinhalten entstünden. Zu den Ideen eines eigenen Leistungsschutzrechts für Presseverleger (Presse-LSR) äußert er sich nur unspezifisch und vermutet, die Ablehnung der Pläne durch den BDI beruhe auf Missverständnissen.

Auch im Internet, so Döpfner im Einzelnen, sei eine neue Besinnung auf den Wert guter Inhalte erkennbar. Aufmerksamkeit allein sei noch kein unternehmerischer Wert, dies sei fromme Hoffnung und eine interessengeleitete These. Sie nütze Suchmaschinenbetreibern und anderen, die keine Interesse hätten, für genutzte Inhalte zu bezahlen. Auch diese Akteure würden jedoch inzwischen erkennen, dass eine Schädigung der Medienindustrie letztlich auch zu ihnen durchschlagen werde. Die Erfahrungen aus dem Hause Murdoch mit Bezahlinhalten seien ermutigend, die Axel Springer AG teste derzeit mit Erfolg verschiedene Bezahlmodelle für Premium-Inhalte. Dabei habe man neue Leser als Abonnenten von Smartphone- und Tablet-Apps gewinnen können. Bis 2017 wolle man die Hälfte der Umsätze digital erwirtschaften. Zukünftig solle die Reichweite einer Marke gegenüber den Werbekunden über alle Plattformen und Vertriebswege zusammen ermittelt werden.

Für Depressionen in der Branche, so Döpfner, gebe es keinen Grund; der Aufschwung der Vertriebswege Internet und Mobil mache den Rückgang bei Print mehr als wett. Eine "Krise des Journalismus" gebe es nicht, jedoch punktuell journalistische Schwächen. Die Zeitungsträger der Zukunft seien mobile Endgeräte, darüber hinaus seien in Zukunft neuartige Arten von Geräten und Nutzungsweisen denkbar. Die Aufgabe sei dann, die Inhalte schmackhaft und leicht erwerbbar zu machen – darin liege „eine riesige Chance”. Die befürchtete Fragmentierung der Medien werde es nicht geben. Auch im Internet wachse wieder das Bedürfnis nach verlässlichen Medien-Marken, „unter denen man Inhalte inszeniert für bestimmte Zielgruppen”. Ein drohender Untergang des Qualitätsjournalismus werde vor allem durch Journalisten selbst herbeigeredet.

In der Verlagsbranche sei über die Jahre eine „gefährliche Selbstzufriedenheit” entstanden, doch auch dieser stehe ein tiefgreifender Strukturwandel bevor. Der Fortschritt lasse sich dabei nicht aufhalten. So sei es vorstellbar, bei Abos auf mobile Lesegeräte als Dreingabe zu setzen. iPhone und iPad seien für Zukunft der Verlage zentral, die Steuerungs- und Preispolitik der Firma Apple jedoch kritikwürdig. Döpfner zeigt sich zuversichtlich, dass der Wettbewerb ein Quasimonopol Apples beseitigen werde. In puncto Abrechnungssystemen sei man etwa auch mit der Deutschen Telekom im Gespräch.

Die Ablehnung des BDI und seiner Mitgliedsverbände bezeichnet Döpfner als Ergebnis von Missverständnissen, die man schnellstmöglich kläre. Die Verleger planten keine Zwangsabgabe, vielmehr könnten die Kunden auch weiterhin jederzeit selbst entscheiden, ob sie Leistungen in Anspruch nehmen wollten oder nicht.

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