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Verlage, zeigt her eure Klicks

Am 7. Oktober 2016 - 15:11 Uhr von Tom Hirche

Günther Oettinger zeigte sich vor wenigen Tagen auf Twitter sehr überrascht, als Mario Sixtus und viele, viele andere erklärten, wie das Internet eigentlich funktioniert. Er konnte es nicht fassen, dass tatsächlich jemand auf den Link zu einem Snippet klickt, um den ganzen Artikel zu lesen. Woher soll er es auch wissen, wenn er nur auf die Verlage hört, die schon seit vielen Jahren für ein eigenes Leistungsschutzrecht lobbyieren. Unter dem Hashtag #trafficleaks haben jetzt mehrere Webseiten ihre Zahlen auf den Tisch gelegt.

Den Anfang machte Zeit Online. Von Januar bis August 2016 sind  demnach 57,2% der Leser direkt auf die Startseite gegangen, um von dort aus zu einzelnen Artikeln zu manövrieren oder sich einen Überblick zu verschaffen. Knapp über ein Fünftel dagegen wurden von Google weitergeleitet, weitere 10% von Facebook.

Laut den IVW-Daten verbuchte Zeit.de allein im August 2016 über 56 Mio. Besuche. Damit brachte allein Google über 11 Mio. Besucher und Facebook weitere 5,6 Mio., mit denen sich Werbeeinnahmen generieren lassen.

Der Journalist Karsten Lohmeyer machte auf seinem Blog lousypennies.de eine kleine Rechnung dazu auf: Würde Zeit.de sich die Klicks kaufen, die Google beschwert, würden geschätzte 3,47 Mio. Euro fällig. Jeden. Monat. Doch Zeit.de kauft sich diese Klicks nicht. Google, Facebook, Twitter und alle die anderen Social Media-Plattformen und Newsaggregatoren liefern diese Besucher kostenlos. Ein Blick auf diese Summe zeigt, wie absurd die Forderung der Verleger ist, zusätzlich zu dieser kostenlosen Leistung auch noch Geld von diesen Anbietern zu erhalten. Doch genau das wollen sie mit dem Leistungsschutzrecht für Presseverleger erreichen.

Die Zahlen der NZZ zeichnen ein ähnliches Bild: Auch hier kommen knapp über 57% direkt auf die Seite und insgesamt 36,6% über Suchmaschinen und Social Media. Die Rhein-Zeitung vermeldet sogar 44,4% über Google und Facebook. Bei der IT-News-Seite t3n.de sind es nur 16,8% der Besucher, die direkt auf die Startseite kommen. Damit werden über 80% von anderen Seiten weitergeleitet! Die NWZonline erhält über 60% ihrer Klicks von Google oder Facebook. Karl Fröhlich schreibt, dass über 50% der Besucher seiner Webseite speicherguide.de über Suchmaschinen zu ihm kommen würden.

Weitere Zahlen hat Tilman Wagner hier zusammengefasst. Die großen Verfechter eines Leistungsschutzrechtes haben sich, wenig überraschend, noch nicht dazu gemeldet. Das brauchen sie aber auch nicht, denn schon jetzt steht fest: Verlage, Webseitenbetreiber, Blogger – sie alle profitieren von der aktuellen Situation. Ein Leistungsschutzrecht für Presseverleger würde dieses Gleichgewicht nachhaltig zerstören und den freien Fluss von Informationen massiv schädigen. Dieser Vorschlag Oettingers, den er immer als "fair" bezeichnet, muss unbedingt vom EU-Parlament gestoppt werden.

Apropos: Der EU-Kommissar hat bisher auch noch nicht reagiert. Dabei hatte er den Stein erst ins Rollen gebracht. Stattdessen verbreitet er über Twitter weiterhin ausschließlich solche Texte, die seinen Vorschlag als Notwendigkeit feiern. Als wäre nichts passiert.

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